Oktober 2015, ich bereite gerade den Umzug aus meiner Sommerresidenz – einem Tabbert 5000 zwischen Pflaumen-, Apfel- und Walnussbaum – hin nach Wuppertal vor und sehne mich nach ein wenig Spießigkeit. Die vergangenen Monate bin ich mit der Gitarre fleißig unterwegs gewesen, habe vor allem den Osten und Süden bereist und bin nun vor allem eins: Ziemlich ab- wie ausgebrannt.
Erkenntnis des Sommers: Von Musik leben zu wollen, hat mit Faulenzen wohl wenig zu tun. Stelle ich in meinem Garten fest

Ende gut, alles gut:
Die Max-Thünge-Band und noch mehr Gestalten des Kosmos Wadenpohl nach einem sehr schönen Gig in Monheim.
Vorne v.l.n.r.: Kiro Topalis, Florian Haidruk, Frank Michaelis. Hinten v.l.n.r.: Werner Wadenpohl, Sascha Kern, Topalis Junior, icke und Hans Wadenpohl

Nun fragt Fehling unverblümt, ob ich nicht Lust habe, eine richtige CD zu produzieren. Er sei da gerade für den Retap Verlag zuständig, um diesen nach dem Tod vom Verlagsgründer Siegfried Pater gemeinsam mit der langjährigen Mitarbeiterin und Freundin Eva Röthel neu aufzustellen. Bei der politischen Ausrichtung solle es bleiben, statt allein der engagierten Werke und Filme von Siegfried Pater solle nun aber auch Musik verlegt werden. Dafür wäre es doch praktisch – so Fehling unverblümt weiter – wenn ich zur in Kürze beginnenden Frankfurter Buchmesse erscheinen könne, um am dortigen Stand des Retap Verlages ein wenig zu spielen und die Werbetrommel zu rühren. In den letzten Wochen habe ich mehrere Konzerte abgesagt, bin reichlich müde davon, mit dem Flixbus auf`s Engste kalkuliert hunderte Kilometer über Autobahn zu düsen, einen Gig zu spielen und völlig übermüdet den Rückweg anzutreten. Finanziell ist das quasi ein Nullsummenspiel, den Stundenlohn mag man sich nicht ausrechnen und außerdem: Ich tauge nicht zum Hippie und der Sommer ist vorbei, mir ist nun nach Behaglichkeit. An sich kommt mir der Anruf Fehlings also so gar nicht recht, weil ich sofort weiß: Da kannst du nicht nein sagen. Das wäre bescheuert. Und bescheuert ist es auch so: Da will man gerade aufhören, da kommt plötzich das, für was man sich wirklich verausgabt hat, einfach so in die Spätsommeridylle „meines“ Obstgartens geflattert. Buchmesse! Eine richtige CD produzieren. Na klar sage ich ja. Das Pseudonym ist verbrannt und so fahre ich ganz bei mir Ende September gen Frankfurt. Per ICE. Nimm das, Flixbus..


2015: Ich spiele auf der Frankfurter Buchmesse am Stand des Retap Verlags ein fast vergessenes Stück: Lebenslangweilich.

Im Oktober geht es nach Wuppertal, zum Resozialisieren in ein reichlich runtergerocktes Wichlinghausen. Den Lebensunterhalt verdiene ich nun seriös mit Gastronomie und Sprachunterricht für Geflüchtete, abends spät ins Bett und morgens dann früh raus. Müde bin ich also immer noch, als es Ende Januar 2016 für zwei Tage ins Studio bei Brigitte Angerhausen geht. Müde und aufgeregt. In gut acht Stunden singe ich das Album ein, die Lieder sind eine Mischung aus gerade extra entwickelt und ein paar älteren Stücken, morgens um neun geht es los und abends dröhnt mir gewaltig der Kopf. Diese Umstände hört man dem Album durchaus an, am zweiten Tag kommt jedoch die Band mit dazu und mit Rentnergang entsteht eine echte Perle.

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