Montag, 18.07.2021, Himmel mit Belag (Gerüstarbeiten)

Wir wiederkäuen die Narrative der Superreichen
„Es gibt einfach zu viele Menschen auf dieser Welt“, ein Satz, der oft halb mitleidig halb achselzuckend geäußert wird und dieser Satz gilt selten lokal, fast immer global.
Nicht wir sind zuviel, nein die Armen, die dritte Welt, achja.
Eine allgemeine apokalyptische Stimmung, fast eine Sehnsucht, all die Bedrohungsszenarien doch endlich als wahrhaftig zu erleben, denn unser Untergang ist ja die Chance schlechthin für den Planeten.
Welch eitel bescheidene Phrasen, eitel im vermeintlich wissenden Altruismus, bescheiden in der geistigen Ausarbeitung.
Ich weiß nicht, ob bei den Stelldicheins der globalen Superreichen auch derart geredet wird, dort wo man verlässlich mit jeder Krise reicher wird und dort, wo die eigenen Milliarden völlig entkoppelt sind vom Mangel anderswo. It`s charity, my blue-eyed baby.
Den Satz „Wir haben zuviele Reiche auf der Welt!“ hört man dagegen erstaunlich selten und wie effektiv eine kleine, fast putzig anmutende Enteignung in gerechtere Strukturen investiert werden könnte, das hört man noch seltener.
Klar, jetzt gerade geht es um global geltende Mindeststeuersätze für das Oligopol der Konzerne, ein richtiger Gedanke, dessen Umsetzung – so meine wahnsinnig mutige Prognose – wohl eine weitere Peinlichkeit sein wird. Engmaschige Grenzzäune, großzügige Steuerschlupflöcher.
Aber keine Sorge: So peinlich wie der Moment, als die SPD tatsächlich Olaf Scholz (Mini-Recherche: Was war dieses Cum-Ex und was tat Olaf Scholz?) zum Kanzlerkandidaten kürte, wird es bestimmt nicht mehr.

Was spräche neben jener Mindeststeuer für Konzerne denn eigentlich gegen eine private Enteignungswelle? Was spräche gegen einen solidarischen Lockdown der glitzernden Milliardärswelten? In den ersten Tagen Coronas waren übrigens nicht nur Klopapier und Backhefe Mangelware, regelrecht leergefegt war auch der Markt für Miet-Yachten.
Von Schwertern und Pflugscharen hin zu Milliardären und Millionären. Gilt das als unmenschlich? Höchstwahrscheinlich – und während sich in der dritten Welt unserer Solidarität sei Dank und als Resultat eines weltweiten wirtschaftlichen Lockdowns eine humanitäre Katastrophe sich zu „entwickeln“ beginnt, die Corona tief in den schwarzen Schatten stellen wird, sind wir begeisterte Einhörner der Humanität.
Gibt es eine Diskriminierung armer Menschen? Ach was. Das ist was anderes.
Am Ende der Kette gibt`s halt keine Wurst mehr, aber immerhin: Unser Olymp der Demokratie, die Europäische Union, sorgt verlässlich dafür, dass in großen Teilen Afrikas die Reste unseres Billigfleisches so billig ankommen, dass die dortige Nahrungsmittelproduktion zum wirtschaftlichen Wahnsinn wird.

Aber lass uns mal in unserer bunt schillernden Blase bleiben und maskentragend ein bedingungsloses Grundeinkommen fordern.
Wir kassieren monatlich 1.000€ aus der großen menschenverachtenden Maschine, dafür brauchen wir nur die Gnade des Geburtsortes. Ist das nicht rassistisch? Und ist das nicht würdelos? Aber gut: Wir retten die Welt ja auch mittels E-Autos und Kobalt-Minen. Da können wir auch unsere Integrität um ein wenig Schweigegeld erweitern.
Nix ist unmöglich in der Welt der runden Widersprüche:
Mitten in diesen allseits als größte Krise seit dem zweiten Weltkrieg titulierten Tagen wetteifern ein paar Superreiche in Privatraketen ums Weltall. Mitten im Diesel-Sojaschnitzelkrieg ballern sie nichtmals unbehelligt, sondern von den Medien wohlwollend bis kriechend goutiert, die Atmosphäre voll, verwandeln Geld in schwarze Wolken und dürfen das und fürchten sich wahrscheinlich nichtmals mehr vor uns, der riesigen Masse, die sich statt die Hände zu reichen lieber wahweise sorgfältig seziert oder zerfleischt.
Und wohlwissend, dass es so nicht weiter geht, verwandeln gerade die Superreichen, die, die unsere Medien seit einigen Jahren tatsächlich Elite nennen, dieses System in ein Kollektiv um, das den Einzelnen schwer in die Pflicht nimmt – die Möglichkeit des Andersrum scheint längst Absurdität.




Donnerstag, 08.07.2021, Gewitter (jetzt wieder ruhig)

Vertrauen ist eine horizontale Angelegenheit, vertikales Vertrauen pendelt zwischen Masochismus und Sadismus hin und her und hin und her and nothing`s gonna change my world.
Warum soviele Mitmenschen eher Jens Spahn als Jens Mustermann vertrauen, warum sie wohl eher für fünfzig Euro ein Jens-Spahn-Fantrikot kaufen würden,
als ihrem Nachbarn einen Fünfer zu leihen, gerade dem, diesem sonstwas, das weiß ich nicht, ich befürchte nur, es ist relativ nah dran an dem, was Wahrheit sein könnte.
Muss ja nicht jeder ein Held sein und wird ja zum Glück immer noch keiner ein Held durch`s solidarische Plastemaskentragen auf dem heimischen Sofa, aber warum man sich derart die Scheuklappen anziehen muss, dass man eher in einer Querdenken-Bewegung die wahren Pandemieprofiteuere wittert, denn in der Pharma-Industrie, das ist mir eine viel zu abgefahrene Frage, die ich salopp wie ratlos vielleicht doch mit der Trinkwasserqualität in Verbindung bringen würde.

Aber ist ja nix Neues. Eine Angela Merkel darf sich gesellschaftsübergreifend als Humanistin verklären lassen, es wäre ja persönlich auch zu hart, sich mit ihrer ziemlich üblich menschenverchtenden Realpolitik zu beschäftigen oder sich gar für diese mitverantwortlich zu fühlen und dementsprechend dieses äußerst unangenehme Gefühl names Scham zu entwickeln.


(K)eine Anzeige. Wer nervös werden möchte, der frage doch mal google oder siri oder seine kluge Frau, wielang Stahlbeton so hält. Und wieviel davon verbaut wurde.

Und mit der ollen Kamellekombination Merkel/Humanismus meine ich noch nichtmals die Impfstoffpatente, nee: Ich bin Oldschool, ich mein die Waffen und das Geld und die Geheimnisse.
Wir überreichen Teddy-Bären am Münchener Hauptbahnhof, was ja ok wäre, hätten wir die richtige Geste gewählt: Nicht das bloße Hallo, sondern die Entschuldigung fürs Zerbomben der Heimat.
Ach, nee. Fakenews. Das war ja Assad alleine.
Und der Russe. Diese Schweine überall, wo wir nicht sind.
Unsere Bomben sind Demokratie, unsere Spritzen sind Freiheit.
Wer da nicht vor Begeisterung geifert, ist mindestens ein Spielverderber und wie man mit denen verfahren wird, wird man dann sehen.
Oder auch nicht. Geschehen wird es trotzdem.
Long Covid ist vieles, ich befürchte auch Faschismus.

Und vielleicht kriecht dann doch irgendwie und irgendwann diese Frage ins Hirn: Was habe ich damals getan, während einer Pandemie, die sich für mich persönlich eher wie ein Putsch anfühlte, in einem Land, dessen Äcker legal Glyphosat kotzen? Ich habe die Nachbarn denunziert, ich habe Andersdenkende diffamiert, die Robocops um Autogramme gebeten, habe die Nazi-Keule geschwungen und das Robert-Koch-Instititut vergöttert.
Letzteres hat ja auch einen einwandfreien Leumund. Naja, zumindest, sofern man ein geschichtsvergessener, vom eigenen gut sein besessener angstbesetzter Vollidiot ist.
Und wer das nun als irgendwie schwurbelig, ja irgendwie doch möglicherweise als mindestens j fast rechts abtut oder zwanghaft abtun möchte: Ihr akzeptiert die Aktenschredder, ihr akzeptiert das Beweisevernichten im eigentlich staatsauflösenden Kasus NSU.
Regenbogenfahnenschwenkend tut ihr das.
Fans dieses Staates, how does it feel?
Vertrauen ist eine horizontale Angelegenheit, ihr modischen Vollpfosten. Da zieht der Esel den Karren und spuckt vor Wut in den Graben. Wobei: Das würde ein Esel. nicht tun, das machen nur intelligente Menschen.

Seid umschlungen, Millionen. Die einen herzlich, die anderen eher so ringkampfmäßig.