2/4: Fußbodenheizungsblues & Facebook

2/4 Fußbodenheizungsblues, Facebook & ein freundliches fuck*off



Ich hab das hier meistens gut und immer ehrlich gemeint. Vor Corona war das noch fast en vogue, abseits des kapitalgesteuerten Mainstreams seinen persönlichen Senf von sich zu geben. Dann verordnete eine Senfallergikerin ein Senfkornembargo, dem lediglich das Senfgas entfleuchen konnte. Nun verkauft man uns Sempf als Senf und keiner spricht über die graue Farbe. Naja.

Die letzten zwei Jahre waren sehr hässlich in Sachen Meinungskultur und Besserung ist nicht in Sicht. Entschädigend sei gesagt: Hässliches ist häufig sehr lehrreich. Ich hätte mir beispielsweise nie gedacht, dass ich von innerlichen Trieben einmal förmlich dazu gezwungen sein würde, meine Komfortzone zu verlassen. Ich wusste ja nichtmals, dass ich mich in einer solchen artikulierte, atmete und halbwegs anständig benahm. Das weiß ich nun, das gibt dem Leben etwas Wesentliches zurück und wer derart oldschool tickt, dass er tatsächlich länger als die gesetzlich vorgeschriebene Mindestaufmerksamkeitsspanne von drei Sekunden dem diesen Post zugrunde liegenden Lied zugehört hat, der stößt auf eben jenes Wörchen: Wesentlich. Zufälle gibt`s.
Ich mag das was ich mache, sehr gerne. Ich mag sogar das, was ich denke - meistens bis häufig - sehr gerne. Da mag ich nicht von Abschied nehmen, da mag ich keinen Spaten nehmen, um diesem Wesentlichen ein Grab zu schaufeln, auf dem ich dann zum Troste methadongleich all das Unwesentliche anpflanzen kann. Blümchen, Herzchen, Däumchen. Am Arsch. 
Diese Zuckerberg`schen Plattformen sind Gift, ihr Algorithmus ein Unterdrücker der Meinungsfreiheit, ein Sklaventreiber der Seelen  und ein Zuhälter der Kunst. Meine Kunst mach ich eh, aber sie hier weiter zu Markte tragen, das mache ich hier nun gerade zum - kurz überlegen -  vorvorletzten Mal. Versprochen. Ich muss auf Entzug von diesem parfümierten wie andersweitig benutzten Schnüffeltuch. Daumen hoch.Zwei kommen noch, eins nächste Woche. Es trägt den schönen Titel „Hiss die schwarze Fahne, Jenny”. Zu hören auf den nicht weniger beschimpfbaren Streamingplattformen ab dem 21.06.2022. Sommeranfang.
Da kommt dann auch das sehr sommerliche Video zu „Lieder ohne Zorn”. Ein hervorragendes Abschiedslied vom Schwachsinn. Der Algorithmus wird das anders sehen, ich freu mich aufs letzte Missverständnis.

All den lieben Menschen in meinem Bubbletea sei gedankt. All die, die mich seufzenden Herzens blockieren mussten: Nix für ungut, ihr könnt wieder rauskommen, ist gerade wieder erlaubt. 

Es empfiehlt sich freundlichst

Bastian 





Als ich damals so fahrig durch die Gegend strich 
die ein wenig verblichener Reklame glich                         für ne Mager-Margarine
die Claudia Schiffer mal bewarb 
In nem Viertel, da verirrt sich nur versehentlich  
das Schöne und mittendrin, da lebte ich
in ner Mietseinheitskabine   
in der ein Messerstecher starb
Da war das Leben doch irgendwie noch wesentlich
ein jeder war gezeichnet und das gegen den Strich                          da wo die leeren Scheiben glotzen                                            da starb das Proletariat 
Und eh man dann zum großen Besen griff
und aus den alten Brettern allerletztes Leben schliff                 da wurden die Herzen professionell und hart /:/

Da war mehr mit Hand und Fuß
als all die kalkulierten Routen
und das Tuten und das Blasen
und das lutsch mir meinen Zeh
und das ganze so Getue
und der Krieg in Seelenruhe
ich hab Fußbodenheizungsblues

Wenn ich heute mechanisch durch die Straßen geh
bis ich endlich an dem Fleck vom Hafen steh
wo die rostigen Kräne
ihre Gegenwart erzähln
Botoxunterfüttert
sind die Zornesfalten  
die Wahrheit will die Lüge
und die Jugend will die Alten
und ich zähle meine Schritte                                         wenn ich im Halbschlaf heimwärts geh
und ich halt beim Zählen Schritt
bis ich mich traumwärts dreh

Hier liegt der Jäger, den
der Hase erschoss
da liegt der Metzger, der
den Braten nicht roch
hier ist der Spaten und
nun grabe dein Loch
mein Freund

Ref.                                                               Inst.
                                                              Jede Schwelle war getränkt
in Ochsenblut
rot waren die Fäuste
und sie boxten gut
noch ehe John Lennon
uns in weiche Federn sang
Doch nun lass sie langsam köcheln
denn sonst stockt die Wut
und dann klappt das schöner Wohnen
hier nur halb so gut
noch ehe John Lennon
uns in weiche Federn sang /:/
                                                                       Text & Musik: Bastian Wadenpohl, 2022.
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