Das mit dem Untergang ist ja so ne Sache und ob die wehenden Fahnen einen im letzten Moment des Luftschnappens wirklich trösten, man weiß es nicht.
Welch Glück, ich bin kein Seemann, ich sitz nur auf meiner Couch und die liegt auf nem Berg, nur für den Fall, dass die Wupper sich noch öfters zum Strom aufschwingen sollte.
Apropos öfters: In letzter Zeit frage ich mich öfters, ob wir der nahenden Apokalypse in Einweg- oder doch in FFP2-Masken gegenübertreten. Hätte ich mir jedenfalls romantischer vorgestellt, diesen so called Sommer der Freiheit, aber was ist schon noch romantisch, wenn manche Frauen von M. Söder träumen?
Womit wir beim Thema wären:
Wie organisiert man auf eigene Faust den Release des aus eigener Faust und den begabten Händen meiner Kollegen entstandenen Tonträgers, den man für durchaus hörenswert hält und den man aber gleichzeitig zähneknirschend, kissenwälzend in das Kulturvakuum dieser Tage werfen muss, ja weil er ja mal raus muss und die Tage sich nicht ändern mögen?

Gute Nachrichten: Wir versuchen es. Versprechen können wir nix, aber in Vorleistung sind wir längst getreten, seit heute hängen die Plakate und die ersten Tickets wechseln die Hände. Geplant ist am 27. August im Wuppertaler Allee Stübchen ein möglichst würdevolles Konzert zu spielen.
Bislang hieß Konzert spielen für mich, dass ich Plakate aufhänge und dann mal gucken wer kommt. Das war in der Regel ziemlich schön, ich durfte ein paar rauschende Nächte in mein wattiges Gedächtnis nähen, hab mich auch reichlich in Schattenseiten verirrt und feier nun in diesem Jahr theoretisch zehnjähriges Bühnenjubiläum.
Praktisch ist das verboten. Praktisch ist Kleinkunst in autonomer Aufführung gerade verboten und wenn nicht verboten, dann eben derart erschwert, dass quasi nur unter Verlust realisierbar.
Ich habe vor ein paar Jahren kurz versucht, nur von der Musik zu leben. Nach ein paar Monaten hatte ich ein Zucken im Auge und mochte nicht mehr spielen. Seither arbeite ich nebenbei und das nebenbei ist nicht nebenbei gesagt.



Mein Herz ist mit dem gesamten Kollegium, dass sich schon vor Corona mehr schlecht als recht, aber lachend und tapfer durch die Kleinkunst ernährt hat und sich nun – da mag die öffentliche Hand noch soviel große Bühnen in die Diaspora stellen – nach einem defacto anderthalbjährigen Berufsverbot mit Auflagen konfrontiert sieht, die einer Berufsunmöglichmachung gleichen.
Jaja, ich darf vieles, wenn ich will.
Vor Leuten zu singen, wie und wann ich will, das darf ich nicht.

Ich bin glücklicherweise nicht darauf angewiesen, ich habe keinen finanziellen Stress, das Extrageld durch Musik fehlte eine Zeit lang und dann gewöhnte man sich auch wieder dran. War ja eh alles zu und soviel Pizza kann ja kein Schwein bestellen geschweige denn liefern.
Wonach mir aber ist? Wirklich interessierten Leuten meine Lieder vorzuspielen, große Augen, große Ohren, klatschende Hände für meine beeindruckenden Gäste Deauris und Zoé Schmidt, danach reden, lachen, anstoßen und Mindestanstand bewahren. Was anderes liefern, als das was eh läuft und was anderes zurückkriegen als Mausklick-Herzchen.
Egal. Ich freu mich – nicht zuletzt an meiner Naivität. Sie lebe hoch. Hoch! Die! Internationale! Naivi…schon gut 🙂

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