Will ich mir selbst gerecht werden als Dichter, Poet und Lyriker, muss ich mir eine eigene Heimat schaffen, muss ich meinen Texten, die ich immer als öffentlich und damit politisch betrachtet habe, die Möglichkeit zum Erscheinen selbst geben.
Soll heißen: Ich darf mich nicht abhängig machen und ich darf auch nicht darauf warten, abhängig gemacht zu werden.
Ich muss also aufhören, dem Traum des Disney-Kapitalismus zu folgen, der aus Künstlersicht der sogenannte Durchbruch ist. Diese Erkenntnis bringt sehr viel Positives mit sich: Damit fällt das ganze sich vermarkten, sich zu Markte tragen und das damit einhergehende zu Grabe tragen dessen, was man Seele nennt, einfach flach. Wunderbar.
Dann kann ich mich ja auf`s Schreiben konzentrieren.

Kein Herz mehr den Likes und Herzchen, keine Chance mehr dem schnell weg Konsumierten, keine Nuance mehr dem Gedanken: Wie könnte dieses und jenes ankommen?
Kein Interesse mehr an einer Community, die irgendwie ja doch nur rosa Nebel ist. Flüchtig und betörend ist es, süchtig und verstört sind wir. Fuck the machine, wenigstens n bisschen. Und hol dich selbst da raus:
Zeitverschwendung, dieser ganze SocialMedia-Kram, was könnte man da relevantes schreiben. Höchstgradig peinlich, den Hofe des Herren Zuckerbergs für antikapitalistische Kunstvermarktung zu nutzen.
Die paar Kröten lassen sich würdevoller im Zementwerk verdienen.

An und für sich stünde nun das Marketing an, die neue Scheibe ist großartig geworden und ich will ja, dass es jeder weiß und wer es wissen will, der kann es ja auch durchaus erfahren.
Aber unter die Nase reiben muss ich das nicht, ich bin auf seltsame Art vollkommen zufrieden mit meiner Erfolglosigkeit. Solange mir nicht die Worte fehlen, will ich zufrieden sein und in diesen schizoiden Zeiten sprudeln sie förmlich aus mir heraus.
Das, was ich lange als zehrende Zwischenetappe vor eben jenem Durchbruch betrachtet habe, erkenne ich jetzt als das, was es ist: Mein Leben.
Ich möchte keine Zeit mehr damit verschwenden, mich zu bewerben, mich zu messen. Ich möchte keine Konzerte mehr planen, auf die ich mich nur so halb freue, die ja aber ein wichtiges Etappenziel sein könnten. Ich mag den letzten Rest Servicegedanken aus meiner Kunst fegen und einfach machen und geschehen und gut sein lassen. Einfach, weil es mich erfüllt.
Glaubt mir, ich bin da. So definiert wie noch nie. Könnt ihr hier regelmäßig nachlesen, schön, dass ihr da seid. Zur Belohnung ein wunderbares Lied des früh Verstorbenen ostdeutschen Liedermachers und Baggerfahrers Gerhard Gundermann: Keine Zeit mehr, gesungen vom quicklebendigen Stefan Stoppok:



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